Prof. Teresa Nawrot und Ihre Schule

Prof. Teresa Nawrot

 

 

Geboren am 22. Februar 1948 in Olkusz (Polen). Kindheit in Warschau.

1968/71 Schauspielstudium an der A. Zelwerowicz – Staatliche Hochschule

für Theater mit Magister (PWST) in Warschau.

Bereits während des Studiums diverse Rollen an Warschauer Theatern:

1969/70 Tochter in Strindbergs „Der Pelikan“

1970/71 Zofia in Gribojedows „Verstand schafft Leiden“

1970/71 Molly Bloom in Joyces „Ulysses“

1970/71 Die Tänzerin in Rymkiewicz „König Miesopust“

1970/71 Ophelia in „Shakespeare gesungen“ (nach Shakespeare)

1971-84 Festengagement am „Instytut Aktora Teatr Laboratorium“ (im deutschsprachigen Raum auch unter dem Namen „Theater­laboratorium“ oder „Grotowskis Laboratorium“ bekannt). Die hier aufgeführten Inszenierungen und Projekte fanden alle im Rahmen des Theaterlaboratiums statt und wurden von Jerzy Grotowski geleitet:

1971-73 „Special Project“. Aufführungen in Breslau, Pittsburgh, Philadelphia und Paris.

1973/74 „The Burning Mountain“. Aufführungen in Breslau, Paris, Bordeaux, Neapel, Mailand und Rom.

1974-76 neben der schauspielerischen Tätigkeit Assistentin von Jerzy Grotowski.

1974/75 „The Way“. Aufführungen in Breslau, Paris, Mailand und Sidney.

1975 „The University of Research-Theatre of Nations“. Vollständige Organisation und Durchführung in Zusammenarbeit u. a. mit Peter Brook, Andre´Gregory, Eugenio Barba, Luca Ronconi und Jean Luise Barrault.

1975/76 „Beheeve. Open Meeting“ in Breslau.

1976/77 „Vigil“. Aufführungen in Breslau und Paris.

1977-88 „Tree of People“ in Pontedera, Florenz, Rom, Genua, Mailand, Warschau und Breslau.

1980-82 „Thanatos Polski“ nach Mickiewicz in Breslau, Warschau, Palermo, Rom und Mailand.

Neben der Arbeit im „Theaterlaboratorium“ Gastrollen an anderen polnischen Theatern. U.a.:

1980 Laura in Zawiejskis „Die hohe Mauer“ Theater Współczesny Breslau Theaterleitung Prof. Dr. Hab. Kazimierz Braun

1980 Sie in Rozewicz „Seelchen“ Theater Stara Prochownia Theaterleitung und Regie: Prof. Wojciech Siemion

In diesen Zeitraum fallen ebenso Arbeiten für Film, Fernsehen und Hörfunk.

1973-88 Lehrerin und Dozentin für Schauspiel und Bewegung an Schauspielschulen, Universitäten und in Seminaren:

WS 1973/74 University of Greensboro, Pittsburgh und Philadelphia

WS 1974/75 Blockseminare an den Universitäten von Mailand, Rom, Paris und Sydney

1975/76 Teilnahme an der „Biennale di Venezia“ Wettbewerbssieger Erster Preis für „Special Project“. (Kuratiert durch Luca Ronconi)

1976/77 Seminarleitung in Musik und Theatertherapie in: Psychotherapeutisches Institut in Bordeaux Frankreich, Lecco in Italien.

1977/78 Seminar für Theatertherapie in Warschau (Psychiatrische Klinik)

1978 Verleihung der Professur der Grotowski Technik in Universität North Carolina

WS 1978/79 Blockseminare an der Universität von Tokio und an der Theater­hochschule Breslau

1980/81 Gastprofessor der Grotowski Technik der Universität in Lyon.

1982/83 Schauspielseminare in Grotowski Technik in Palermo, Frankfurt a. M., Cagliari, Aarhus, München, Ferrara, Nancy und Cardiff

1983 Grotowski Schauspielseminar in Theater “La Forge” Paris.

1983 Schauspielseminare in Nancy, Antwerpen, Neapel, Aarhus, Lyon, Darmstadt, Karlsruhe und Berlin

1983 Gründung der Schauspielschule “Theaterstudio Nawrot” (heutige  “Akademie für Schauspiel und Film Reduta-Berlin”)

WS 1984 bis SS 1985 Lectures an der Universität Utrecht

WS 84/85 Lectures an der Universität Antwerpen

SS 1988 Lectures an der Universität Gießen

Nach der Ausrufung des Kriegsrechtes in Polen wurde unser Theater, das „Theaterlaboratorium“, geschlossen und Jerzy Grotowski emigrierte in die Vereinigten Staaten von Amerika. Ich entschloß mich ebenfalls im Westen zu bleiben und setzte meine Tätigkeit als Schauspiellehrerin und Regisseurin fort. Seit 1983 ist mein Wohnsitz Berlin.

1987 Erster Preis vom Kultursenat in Berlin für die Inszenierung „Der Idiot“ nach Fjodor Michailowitsch Dostojewski . Mit dem Preisgeld wurde das „Theater am Ufer“ (das heutige „Hau3“) gegründet.

2003 Ehrenmedaille der polnischen Regierung zur Fortsetzung und Bekanntmachung der polnischen Kultur weltweit.

2008 Erneute Ehrenmedaille von polnischer Regierung der Arbeit Weltweit von Prof. Teresa Nawrot

2013 Erste Buchveröffentlichung weltweit „Gespräche mit Teresa Nawrot. Trainingsmethoden in Anlehnung an die Schauspieltechnik nach Jerzy Grotowski“ auf Deutsch und Polnisch. (Die allererste Publikation der Grotowski Schauspieltechnik)

2018 Verleihung des Oscars von TV Polonia für Nawrots Lebenswerk die Ideoologie von Grotowskis und der polnischen Kultur der Welt zugänglich zu machen

1984-88 Aufbau eines eigenen Institutes (Theaterstudio „Nawrot“) in Berlin/West. Dieses wurde später in Theater am Ufer umbe­nannt. Dort Lehr- und Regietätigkeit.

1984 „Der Idiot“ von Dostojewski (1. Fassung)

1985 „Der Idiot“ von Dostojewski (2. Fassung)

1986 „Schattensprung“ von La Mure

Seit 1986 wurde das von mir gegründete Theater am Ufer vom Kultursenat der Stadt Berlin gefördert; erstmalig für die Produktion „Circe. Das 15. Kapitel aus Ulysses von Joyce“, in der ich auch selbst mitwirkte.

1989-2001 Gründung und Leitung der privaten Schauspielschule REDUTA.

Der Ausbildungsgang an dieser, meiner (seit 1996 staatlich anerkannten) Schule umfasst die Fächer Schauspiel, Körpertraining, Improvisation, Szenen- und Rollenarbeit, Stimmbildung, Sprecherziehung, Gesang, Tanz, Bühnenfechten, Theatergeschichte und -theorie, Akrobatik sowie Kameraarbeit. Die Ausbildung erfolgt in Klassen von maximal 19 SchülerInnen und ist an den methodischen Ansätzen von Stanislawski, Grotowski und Strasberg orientiert.

Die Erfolgsquote bei den paritätischen Prüfungen liegt bisher bei 100 Prozent. Absolventen meiner Schule spielten resp. spielen in Berlin (u.a. am Berliner Ensemble und der Schaubühne), Magdeburg, Hannover, Zürich und Frankfurt a. M.

Schulinszenierung 1989-2001

1989 „Spieltraum“ von Strindberg (eigene Regie)

1991 „Unter Geiern“ von Brecht (mit eigenem Auftritt)

1992 „Maria Stuart“ von Schiller (eigene Regie)

1992 „Mirandolina“ von Goldoni (eigene Regie)

1993 „Ein Diener zweier Herrn“ von Goldoni

1994 „Gerettet“ von Bond (eigene Regie)

1995 „Der Reigen“ von Schnitzler

1998 „Dantons Tod“ von Büchner

1998 „Hoppla, wir leben!“ von Toller (mit eigener Rolle)

1999 „Der Park“ von Strauß

1999 „Molière-Projekt“ (26. und 27. Februar)

2000 „Der Arzt wider Willen“ von Molière

2000 „Die Zofen“ von Genet (eigene Regie)

2000 „Sleeping around“ von Ravenhill

2000 „Die Präsidentinnen“ von Schwab

2000 „Drei Schwestern“ von Tschechow (eigene Regie und Rolle)

2000 „Ein Sommernachtstraum“ von Shakespeare

2001 „Die Hilfeflehenden“ von Euripides

2001 „Bernarda Albas Haus“ von Lorca

2001 „Schuld und Sühne“ von Dostojewski

2001 „Anatol“ von Schnitzler

Filmrollen

1990 Hauptrolle in „Die Landvermesser“, einem Film von Rolf Teigler

1991 Nebenrolle in „Der Zauberkasten“ (einer WDR-Produktion)

1993 Hauptrolle in „Der Bach“ von Garry Lane (1. Preis beim Filmfestival von Irland)

1998 erfolgte die Verleihung der Professur für Rollenarbeit durch die Musik­hochschule des Saarlandes in Saarbrücken.

Durchgeführte Schwerpunkt-Projekte

An der Schule wurde in Zusammenarbeit mit Yurek Bogajewicz (Los Angeles) eine Filmabteilung ins Leben gerufen. Neben der Grundausbildung stehen so nun auch Film- und Kameraseminare zur Fort- und Weiterbildung zur Verfügung, die internationalen und hochprofessionellen Standards genügen.

Mit Richard Nieoczym (Kanada) und seinem Theaterprojekt „Wildflecken“ wurde eine ständige Kooperation aufgenommen.

Nach dem Tod von Jerzy Grotowski wurde an der Schule ein Veranstaltungsjahr ausgerichtet, das sich der Information über Leben und Werk dieses großen Theatermannes, sowie der Dokumentation seines Schaffens widmete. Film- und Dokumentationsmaterial (zum Großteil aus meinem eigenen Archiv) wurde bereitgestellt und in Zusammenarbeit mit dem Polnischen Kulturinstitut in Berlin eine Vortragsreihe organisiert, an der ich auch selbst als Vortragende teilnahm.

Neue Schwerpunkt-Projekte

Zukünftig ist unter anderen eine Kooperation mit Roman Polanski geplant. Schauspieler, Drehbuchautoren und Regisseure (ebenso aber auch Studenten) sollen dabei in Seminaren und Lectures Erfahrungsaustausch üben. Die Reduta-Berlin schafft so neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Auszubildenden und arrivierten oder aufstrebenden Schauspielschaffenden.

Gründung der Schule “Reduta” durch Prof. Teresa Nawrot im Überblick.

1983 “Laboratorium Ilustra” in der Zeughofstraße Berlin von Teresa Nawrot.

1984 bis 1991 “Theaterstudio Nawrot” in der Köpenikerstraße

1991 bis 1994 “Schauspielschule Reduta-Berlin” Obentrautstraße

1994 bis 1996 “Berliner Schule für Schauspiel” Obentrautstraße

1996 bis 2019 “Schauspielschule Reduta-Berlin” Gneisenaustraße

2019 bis heute “Akademie der Schauspielkunst für Theater und Film Reduta-Berlin” Gneisenaustraße

(Info! Die Schauspielschule Reduta-Berlin ist die einzige private Schule die mit der Grotowski Technik weltweit an Festivals teilnimmt in denen staatliche Schulen auftreten)

Prof. Teresa Nawrot Wikipedia